Leipziger VolkszeitungJunge WeltBlitz!Leipziger Volkszeitung 30.06.05

Holger Jung

Dinner im Riverboat

Holli, bürgerlich Holger Jung, macht sich für Kinder zum Clown und für Erwachsene den "alten Kellner". Man kennt ihn aus der einst gemeinsam mit Uwe Schütz betriebenen Spaßfabrik und von diversen Auftritten in und um Leipzig. Zu Silvester sehen wir ihn im "Riverboat" wieder - als alten Kellner, dem man die akrobatischen Einlagen gar nicht zutrauen würde.

Mit Pantomime, Animation und Artistik ist Holli seit einiger Zeit unterwegs, wird in Shows eingebaut, als Zwischen-Act gebucht. So war er in diesem Jahr zum Beispiel im Bimbo Town zu erleben, aber auch auf der "Leipziger Wies'n" in Schlobachs Hof. Dort lernte er die Butlers kennen, mit denen er im kommenden Jahr hin und wieder zusammenarbeiten wird. Zusammengearbeitet bis vor kurzem hat er mit Kindern und Jugendlichen in Grünau. "Trapeztraining, Bodenakrobatik, Sozialarbeit", machte er da, ein halbes Jahr lang auf Projektbasis.
Hollis Traum: "Ein eigener Kindergarten!" Und zwar einer für Kinder von Leuten mit unregelmäßigen Arbeitszeiten ("Lang, kurzfristig, Dienstreisen"). Holli möchte eines Tages eine "VIP-Betreuung für Kids" anbieten. Den Kleinen könnte er einiges beibringen und erzählen ...
Der 41 Jahre alte "Original-Leipziger" begann als Leistungssportler im Geräteturnen bei der DHfK und brachte es in dieser Disziplin bis in die Juniorennationalmannschaft der DDR. Dann wechselte er zum Zirkus und gastierte mit den "Flying Glorias" bei Berolina, Aeros und im Ausland, auch dem westlichen. "Wir waren die einzige fliegende Trapeznummer Deutschlands", sagt der, der als einer von ganz wenigen Sportlern weltweit den dreifachen Salto beherrschte. Mit einem Berufsausweis als Artist flog Holger Jung durch die Zelte, eröffnete den Berliner Friedrichstadtpalast mit und blieb 1988 schließlich in Rotterdam.
Es folgten Tätigkeiten in Sportcentern, als Kellner (!), Kohlenträger, auf dem Bau. Holli landete in Westberlin und ging mit der Maueröffnung nach Ostberlin, Prenzlauer Berg. Denen, die ihm in Richtung Westen entgegenliefen, sagte er: "Geht da nicht hin, da sinnse komisch!" Warum? "Ich hatte immer das Gefühl, es läuft nicht alles sooo ehrlich - kann aber auch an die falschen Leute geraten sein." Im "Auffangbecken" Friedrichstadtpalast begann Holli 1995 wieder mit der Kunst: Pantomime und Clownerie. 2000 kam er zurück nach Leipzig ("Zuhause ist zuhause. Das weiß ich jetzt!") und schlägt sich inzwischen als Solist durch. Clown für die Kinder, "Kellner" für die Erwachsenen ...

Wort und Bild: Ernie LC